Profi-Texter engagieren: Warum?

Als Texterin fallen mir jeden Tag Zeitungsartikel und Blogs auf, ja sogar professionelle Firmen-Websites, die vor Grammatikfehlern und Rechtschreibpatzern strotzen. Schlimmer wird es, wenn dann auch noch der Sinn ganzer Sätze wegen eines falsch eingesetzten Wortes verloren geht.

Ich frage mich – und manchmal auch Kollegen, potenzielle Kunden oder bekannte Gewerbetreibende –, warum die Herausgeber nicht darauf achten, dass die Qualität ihrer Texte stimmt. Bei Grafiken tun sie es doch auch. Die Antwort ist oft: Weil sie es nicht besser wissen. Natürlich sieht nicht jeder in einem Text, was mir nach meinem Studium, den Hausarbeiten, Korrekturen und zehn Jahren Texten alles auffällt. – Das unterscheidet mich als Expertin von denen, die es nicht sind.

Aber warum sehen die Texter dieser Websites, die dafür engagiert wurden, nicht, welche Fehler sie fabrizieren? Ganz einfach: Weil sie keine Profis sind. Oft werden Studenten eingestellt, die zwar studieren, deren Studienfächer nichts mit Sprache zu tun haben, und / oder die einfach nicht schreiben können. – Anzunehmen, jeder Student könne gut schreiben, ist ebenso unlogisch wie anzunehmen, jeder Student könne gut rechnen (Glauben Sie mir, ich habe Bachelor- und sogar Doktorarbeiten korrigiert, die katastrophal geschrieben waren!).

Doch Schüler und Studenten kosten weniger (manchmal leider weniger als 1 Cent pro Wort!) und berechnen keine Steuer, zudem sind sie froh über jeden Auftrag, der ihnen ihr Taschengeld oder ihr BAFöG aufbessert. Auch ich habe während meines Studiums angefangen zu texten – für eine österreichische Werbeagentur, die es heute nicht mehr gibt und die mir 3 Cent pro Wort zahlte. Das waren wirtschaftlich andere Zeiten, 3 Cent pro Wort waren damals viel im Marktdurchschnitt. Außerdem brauchte ich das Geld nicht, um davon zu leben. Ich hatte einen Teilzeitjob und textete nur, weil es mir Spaß machte.

Wenn ich heute in meine alten Texte sehe, fallen mir natürlich hier und da Fehler auf. Manchmal denke ich auch nur, dass ich das heute besser, runder, hübscher und dem Anlass angemessener formulieren würde. Es sind eben die Feinheiten, die den Unterschied machen.

Würden Sie den Unterschied sehen? Vielleicht nicht. Aber Ihr Kunde möglicherweise. Es ist der gleiche Unterschied, den Sie auch bei Nahrungsmitteln, Kochkünsten, Kleidung oder jeglicher anderer Handwerksarbeit bemerken. Sie sind bereit, dafür den Preis zu zahlen. Das gilt für Texte genauso wie für andere Produkte.

Ein Profi-Texter kennt den Markt. Er schreibt nicht einfach drauflos, er recherchiert, er liest vieles quer und sieht sich Zahlen und Statistiken an. Er hat unzählige Newsletter abonniert, um in den Branchen seiner Kunden auf dem Laufenden zu bleiben, er bestellt E-Books zu relevanten Themen und er nutzt bei jeder Unsicherheit den Duden und ein Bedeutungslexikon. Ein Profi-Texter weiß, welches Wortspiel er verwenden könnte, aber er lässt es bleiben, wenn spielerische Sprache gerade nicht angebracht ist. Er kennt die rhetorische Wirkung seiner Worte und kann bei Bedarf ohne Weiteres umformulieren, wenn der Kunde es wünscht.

Bei einem Profi-Texter erhalten Sie eine Korrektur-Runde gratis dazu, er wird von Ihnen ein Briefing verlangen oder Ihnen einen Kostenvoranschlag samt Leistungsauflistung vorab zukommen lassen. – Damit Sie und er wissen, worauf Sie sich miteinander einlassen, und wofür Sie Ihr Geld bezahlen.

Qualität hat ihren Preis, immer. Und wenn Sie sich fragen, wie hoch dieser sein darf, denken Sie an den Elektriker oder den Tischler und seinen Stundenlohn. Fragen Sie sich, ob jemand, dem Sie 3 Cent pro Wort zahlen wollen (schauen Sie sich hier an, welcher Stundenlohn dabei herauskommt), davon als Selbständiger leben kann, und ob dies seinem Studium, seiner Ausbildung und seiner Erfahrung angemessen ist. – Denn hinzu kommt immer noch, dass ein Profi-Texter weitere Arbeit leistet und investiert hat, die im Wortpreis enthalten ist:

  • Kommunikation (Mail-Rückfragen, Telefonate, Chats …)
  • Konzeption, Beratung (Welcher Text passt mit welchen Worten und welchen Grafiken wie in welches Medium, um Ihr Anliegen optimal an den Kunden / Ihre Zielgruppe zu bringen?)
  • Buchhaltung, Büro (Angebot / Kostenvoranschlag, Leistungsnachweis, Rechnungsstellung)
  • Inhaltliches Hintergrundwissen / Recherche (Fachliteratur, Branchenliteratur, Statistiken, Newsletter, Mitbewerber-Websites, relevante Blogs, …)
  • Fachliches Wissen (Weiter- und Fortbildungen, Online-Tutorials, Seminare, …)

Und auch, wenn ein Texter keine großen Lager mit Materialien zu führen hat wie Ihr Handwerker, so geht auch er in Vorkasse:

  • Fachliteratur, Wörterbücher, Duden, E-Books
  • Studium, Ausbildung, Weiterbildung, Seminare
  • Buchhaltungssoftware, Steuerberater, Text-Software, SEO-Software
  • Website-Gebühr, Branchenbucheintrag, Telefonkosten, Stromkosten
  • Steuern, Versicherungen, Krankentagegeld, Urlaubsrücklagen, „schlechte Zeiten“-Rücklagen, Altersvorsorge

All diese Dinge zahlen Sie als Kunde in Ihrem Wortpreis an einen Profi-Texter.

Alle Arbeit hat ihren Wert. Aber die Wertschätzung hat sie leider nicht immer. Sie können das ändern.

4 Gedanken zu „Profi-Texter engagieren: Warum?

  1. Ein sehr treffender Artikel, der geschundenen Seelen guttut. Diese merkwürdige Einstellung zu professioneller Arbeit findet sich übrigens auch beim Übersetzen („kann ich doch im Internet nachschauen“, „Hauptsache man versteht es“) und beim graphischen Arbeiten („Heut kann doch jeder mit so einem Malprogramm gestalten“). Gerade bei der Graphik geben dann in PC-Zeitschriften Techniker Tipps zum Layouten. Würgel. 😉
    Beim Texten kommt hinzu, dass die Rechtschreibkenntnisse schrumpfen. Was man da alles sieht….

  2. Natürlich ist es klar, dass man bei einem Wortpreis das nicht als einzigen Faktor nehmen kann, um die Gesamtausgaben zu rechtfertigen, aber viele andere Faktoren wie Rechnungssoftware, Ausbildung etc. sollten ja bei allen in etwa gleich sein, da muss man dann einfach mit Qualität überzeugen, bin ich der Meinung.

    1. Diese Faktoren sind sicherlich ähnlich, wenn man nur Profi-Texter betrachtet. Darum geht es ja aber in dem Artikel: zum einen sind Studenten, die eben keine Ausbildung und keine Software etc hinter sich haben, natürlich in der Lage, weniger zu verlangen, zum anderen drücken sie den Marktpreis. Es gibt die Discounter halt überall, im Lebensmittelgeschäft, der Kosmetik und in der Dienstleistungsbranche. Und es gibt die Kunden, die trotz aller Argumente zum Discounter gehen, weil sie lieber wenig bezahlen und ihnen die 80% Qualität eben auch genügen. Nur sollten die dann nicht versuchen, Qualitätsware und deren berechtigen Preis herunterzureden, um sich mit ihrem Discounter wohler zu fühlen.

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