Was ist guter und günstiger Content?

Effektiver, nachhaltiger Content zu günstigen und fairen Konditionen – geht das? Klar!

Nur unterscheiden sich die Meinungen darüber, was „günstig“ ist. Oft werde ich noch vor dem Briefing gefragt, wie viel ein Text-Auftrag final kosten wird. Ein Stundenlohn als Angabe allein reicht den meisten Kunden nicht. Sie können schlecht einschätzen, wie viel Arbeit hinter gelungenem Content steckt.

Natürlich erwarten Auftraggeber eine klare Antwort. Oft lautet sie: „Das kommt darauf an.“

Willkür in der Preisfindung? Keineswegs.

Denn sowohl als Texterin als auch als Content Managerin muss ich wissen, was ich genau tun soll:

  • Welchen Umfang hat der Auftrag an Worten?
  • Wie sieht die Ausgangslage aus?
  • Wurde die Website / das Projekt bereits bezüglich SEO analysiert?
  • Welche Ansprüche stellt der Kunde an den Text, die Website?
  • Was soll verkauft oder vermarktet werden? Wie bekannt ist mir das Produkt?
  • Liegen bereits brauchbare Quellen und Zahlen vor, oder muss ich mir diese selbst erarbeiten?
Die Berechnung nach Normseite oder Wort

ist bei reinen Textaufträgen sinnvoll und in der Texter-Branche üblich. Denn eine Analyse der Website und der kompletten Kampagne und Produktpalette ist nicht nötig, wenn es rein um die Erstellung eines beliebigen Textes geht.

Oft soll aber mehr erfolgen: der Text soll auf bestimmte Keywords ausgelegt sein, aber der Kunde weiß nicht, auf welche. Wer führt die Keyword-Analyse durch? Der Texter bzw. der Content Manager.

An dieser Stelle kommt der Preis pro Normseite ins Spiel. Selbst ohne die Analyse und bei einem recht einfachen Thema, wenn es nur ein „Aus-dem-Ärmel-Schütteln“ des Textes ist, bedeutet das für einen Artikel mit 1.000 Wörtern an

Aufwand

  • mittelschwere Recherche, es wird also Wissen vorausgesetzt
  • Kommunikation mit dem Kunden (oft mehrfach),
  • Briefing lesen,
  • Vertrag / Kostenvoranschlag aufsetzen,
  • Einlesen in das Thema
  • 1.000 Wörter schreiben und korrekturlesen
  • evtl. noch eine Korrekturrunde (auf Wunsch des Kunden)
  • Rechnung und Leistungsnachweis erstellen

Preis für 1.000 Wörter bei 29 € / NS:  90, – € 

Benötigte Zeit (nach jahrelanger Erfahrung, entsprechender Vorbildung, regelmäßiger Schulung und als talentierter „Schnellschreiber“):

  • Kommunikation, Vertrag, Briefing, Rechnungstellung: 1 Stunde (bei guter Kommunikation)
  • Recherche und Text (bei guter Ausgangslage / guten Quellen): 2 – 3 Stunden

Das sind also an einem guten Tag 30 € / Stunde, in ungünstigen Fällen weniger, keinesfalls aber mehr.

Für einen Texter sind 5 Stunden am Tag, an denen er schreibt, bereits viel. Denn der Kopf arbeitet besonders bei neuen Themen auf Hochtouren. Hinzu kommen weitere notwendige Arbeiten, damit das reine Text-Geschäft läuft:

  • Büro-Arbeit wie Mails, Telefon, Ablage,
  • Verwaltung, Buchhaltung, Post,
  • Werbung, Akquise, Kundenbetreuung,
  • mögliche Anfahrten und
  • Weiterbildungen, Schulungen, Tutorials.

Bei bester Auftragslage und reibungsloser Kommunikation zwischen Dienstleister und Auftraggeber kommen so maximal 25 Stunden Textarbeit je Woche zusammen.

Rechnen Sie noch mit? 25 Stunden bzw. 750,- € (brutto) je Woche = 3.375,- € je Monat

Davon werden Steuern, Versicherungen, Altersvorsorge, Auslagen, Rücklagen für den Betrieb, Urlaub, Krankheit etc. abgezogen: monatliches Nettoeinkommen 1.800 – 2.000 €.

Das Rechenbeispiel bezieht sich auf

  • einen bestmöglichen Monat mit voller Auslastung,
  • recherche-armen Texten und
  • unkomplizierter Kommunikation
  • bei einem Normseiten-Preis von 29,- €.

Wo bleibt der Urlaub? Wann ist Zeit für Weiterbildung?

In dieser Rechnung fehlen Komplikationen, Krankheitsausfall, Urlaubsgeld, schlechte Auftragslage, Kunden-Reklamationen und all die anderen Dinge, die im Preis eines Texters enthalten sind. Kurz: Einen perfekten Monat gibt es nicht.

Will ein Texter also dauerhaft bestehen und auch einmal krank sein dürfen, sich einen neuen Laptop oder einen Drucker kaufen geschweige denn Urlaub machen, ist ein Normseiten-Preis von 29 € zu niedrig.

Denn erst ab mindestens 50,- € Stundenlohn wären am Ende des Monats Rücklagen für einen Monat, der schlecht laufen könnte, vorhanden. Für weitere Rücklagen und die Rentenkasse müssen es 60,-€ je Stunde sein, und auch dann lohnt sich das nur, wenn der Monat gut läuft wie oben beschrieben.

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